Zwischen Kunst und Handwerk

Eine Schule verbindet Kunst und Handwerk

Sonderausstellung der Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei des Berchtesgadener Landes im Museum „Salz und Moor“ in Grassau.

Seit ihrer Gründung 1858 hat die heutige Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei des Berchtesgadener Landes es sich zur Aufgabe gemacht, das Holzhandwerk durch eine gute Ausbildung zu stärken. Dabei stehen die traditionellen Fertigkeiten genauso im Vordergrund wie formale und inhaltliche Aspekte des Entwurfs. Nur im Zusammenspiel von beidem ist gutes Handwerk möglich.

In der diesjährigen Sonderausstellung des Museums Salz und Moor in Grassau wird eine ganze Bandbreite an Arbeiten der Holzbildhauerinnen und Holzbildhauer aus unterschiedlichen Jahrgängen und in unterschiedlicher Größe und Form ausgestellt. Neben nahezu historischen Arbeiten aus dem Schnitzschularchiv sind auch ganz aktuelle in Holz, Gips, Beton, Bronze, Porzellan und Keramik aus den drei Lehrjahren zu sehen. Zudem werden die Gesellenstücke dreier AbsolventInnen gezeigt. Dabei gibt es nicht nur geschnitzte Arbeiten zu sehen, sondern auch Werke aus den anderen Materialien, mit denen an der Schule gearbeitet wird. Denn neben dem Handwerk werden die künstlerischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler gefördert. Dazu passt der Titel der Ausstellung „Zwischen Kunst und Handwerk“. Beides wird in der Schnitzschule stimmig zusammengeführt. Oft zeigt sich erst nach dem Abschluss, ob die Gesellinnen und Gesellen einen eher handwerklichen oder künstlerisch geprägten Weg einschlagen. Die zahlreichen Arbeiten in der Ausstellung zeigen die formale, materielle und kreative Vielfalt der Schule. Kurze Videosequenzen auf einem Bildschirm im Ausstellungsraum geben ergänzend dazu einen Einblick in den Schaffensprozess der Schülerinnen und Schüler.

In den drei Jahren der Ausbildung lernen die Schülerinnen und Schüler die handwerklichen Grundfertigkeiten, die sie dann praktisch in Auftragsarbeiten und selbstentworfenen Stücken umsetzen. Von der ersten Idee bis zum fertigen Stück werden sie von den Fachlehrern in ihrem Arbeitsprozess begleitet. Dieser Prozess ist für gewöhnlich vielfältig und langwierig und kann Zeichnen, Modellieren, Abformen und in Holz kopieren beinhalten. Dabei entsteht Neues, das die Tradition nicht verleugnet, und durch die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Fragestellungen jedoch der Moderne verpflichtet ist. Das macht die Ausbildung solide und zukunftsweisend.

Die Schnitzschule, wie sie kurz genannt wird, ist ein Ort des gemeinsamen Lernens und Lebens inmitten der Berchtesgadener Bergwelt. Zusammen mit den vier anderen Schnitzschulen in Bayern ist sie Teil des Immateriellen Kulturerbes Bayerns, denn nur an ihnen kann man noch die Kunst und das Handwerk des Holzschnitzens erlernen. 

Die Sonderausstellung ist in der Zeit zwischen 01. Mai und 18. Oktober während der Öffnungszeiten des Museums zu besichtigen.